CHRONOS Exkursion 2001 vom 03.Okt. bis 6.Okt. in die Westschweiz

 

 

Mit drei vollbesetzten Privat-PKW machten wir uns auf den Weg nach Basel, zu unserer ersten Etappe auf dem Weg in die Westschweiz. Wegen des Feiertags in Deutschland (Tag der Einheit) hatten wir eine reibungslose Anreise.

Wir besuchten das Historische Museum „Haus zum Kirschgarten" bekannt u.a. für die dort ausgestellten Uhrensammlungen der Herren Nathan-Rupp und Dr. Eugen Gschwind. Diese beiden Sammler hatten zu ihren Lebzeiten umfangreiche und außergewöhnliche Schätze der Uhrmacherkunst (von Elementaruhren bis zu modernen Taschenuhren) zusammengetragen.

Herausragendes Einzelstück von der Nathan-Rupp-Sammlung ist ein Marine-Chronometer von Thomas Mudge, das an dem legendären Längengradwettbewerb in London (ca. 1770) teil-genommen hat.

 

Die Weiterfahrt in die Juraberge führte uns durch Orte, deren Namen allen Uhrenfreunden wie Musik in den Ohren klingen: Grenchen, Lengnau, Biel, Landeron, Marin, Neuchatel, Peseux ... am späten Nachmittag erreichten wir unser Hotel in Couvet, einem verschlafenen Nest – bekannt jedoch als der Geburtsort des berühmten Chronometermachers Ferdinand Berthoud ... und des zeitgenössigen Meisteruhrmachers Michel Parmigiani.

Am nächsten Morgen fuhren wir nach Fleurier um die dort seit 1996 ansässige Uhrenmanufaktur Chopard (eine Dependance des Genfer Schmuckuhrenherstellers) zu besichtigen.

 

Hier werden im wesentlichen mit einem derzeitigen Personalbestand von 70 Fachkräften und einer hochtechnisierten Infrastruktur die mechanischen Armbanduhren der bekannten Firma hergestellt; von Konstruktion über Teilefertigung, Montage und Endkontrolle. Besonders stolz ist man auf das neue L.U.C. „Quattro" Kaliber mit 4 (!) Federhäusern.

Nach einer überaus freundlichen Begrüßung durch die Firmenleitung, einer Vorstellung der Firma und ihrer Entwicklungsgeschichte wurde uns ein

ausgedehnter Rundgang durch die gesamte Manufaktur ermöglicht. Alles wurde uns gezeigt, keine Fragen blieben offen ... trotz mancher Sprachschwierigkeiten waren alle Mitarbeiter bis ins Detail auskunftsbereit.

Besonders lange verweilte die Gruppe bei einer älteren Dame (ein junger Spund könnte das wahrscheinlich auch nicht) die mit ruhiger Hand und unglaublicher Sicherheit Breguet-Spiralen gebogen hat.

Ein umfangreiches und vorzügliches Mittagsessen in einem nahegelegenen Schlosshotel rundete die überaus positiven Eindrücke von Chopard ab.

Als Kontrastprogramm besuchte die Gruppe anschließend in Motiers das Kunstgeschichtliche Museum, das einen Ausflug in die Vergangenheit der Uhrmacherei gestattete: Eine verräucherte Werkstatt mit Werkzeugen und Gerätschaften aus der Frühzeit der Uhrenherstellung und eine kleine aber feine Uhrensammlung durch alle Epochen. Beeindruckend auch die historischen Fotos (ca. 1910) einer Uhrenwerkstatt in China.

 Teil des Museums widmete sich der (legalen wie illegalen) Herstellung von Absinth (hochprozentiger Wermut mit Zusatz von Anis und Fenchel) in der Region im vergangenen Jahrhundert. Die von dem kauzigen Museumsführer überzeugend vorgetragenen Hintergrundinformationen zu diesem Thema faszinierten auch uns Uhrenfreunde.

Am Freitag Vormittag war dann das Industriemuseum in Travers an der Reihe, das einen guten Einblick in die Geschichte des Val-de-Travers und seiner Industrialisierung vermittelte.

Das Museumsgebäude steht direkt am Eingang zu den Asphaltminen, wo während rund drei Jahrhunderten wertvolles Erz aus den unterirdischen Stollen und Gängen (Gesamtlänge über 100 km) gefördert wurde. Anschließend zu Naturasphalt verarbeitet und in die ganze Welt exportiert.

Mit Helm und Grubenlampe bewaffnet haben wir uns einer Führung in einen über 1 km langen Stollen angeschlossen – ein gewisses Aufatmen nach dem langen Marsch durch die Unterwelt war nicht zu überhören.

Industriemuseum in Travers
 

Vorspiel zur Grubenbesichtigung

Endlich wieder ans Tageslicht
Fassondreherei aus dem Atelier Bourquin
 
Da haben wir noch ein Bild vom Besuch der Fa. Chopard gefunden!

 

Ansonsten gab es im Museum viele technische Geräte zu sehen, u.a. eine Fassondreherei aus dem Atelier Bourquin.

Dann Weiterfahrt über Land nach La-Chaux-de-Fonds mit Stadtbummel und vorsichtigem Ausschauhalten nach den einschlägigen Uhrengeschäften. Danach ging es weiter nach dem unmittelbar hinter der französischen Grenze gelegenen Villers-le-Lac.

Hier hatten wir uns mit Yves Droz (ein direkter Nachfahre der berühmten Automatenbauer Jaquet-Droz) verabredet, der uns für eine exklusive Führung in dem von ihm gegründeten und betreuten Musee de la Montre zur Verfügung stand. Unglaubliche Schätze aus allen Epochen der Uhrmacherei hat er zusammengetragen. Über 1000 Werkzeuge von Bergbauern/Uhrmachern sowie unzählige Demonstrationsmodelle für die Zylinderherstellung. Und es gibt mehrere komplett eingerichtete Musterwerkstätten in denen es an nichts fehlt – selbst die Uhrmacher in Lebensgröße bewegen sich als seien Menschen am arbeiten. Wahrlich ein wissenschaftliches und künstlerisches Abenteuer mit Uhren und Uhrmachern um die Beherrschung der Zeit.

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen der beiden berühmtesten Uhrenmuseen ... pünktlich wie die Maurer standen wir Samstag morgen an der Kasse des Musee International d´Horlogerie in La-Chaux-de-Fonds, in dessen Räumlichkeiten auch die diesjährige Uhrenbörse stattfand.

Schnell hatte sich die Gruppe in diesem riesigen Areal unter der Erde verlaufen, einerseits um die „Enzyklopädie der Uhrmacherei“ mit den ca. 4.300 Objekten zu bewundern, andererseits auf der Börse nach Schnäppchen zu suchen, die es aber bekanntermaßen nicht mehr gibt.

Besuch in La-Chaux-de-Fonds
 
Interresante Auslage?
 
Na...? Wer ist wohl älter?
 
Da gibt es wohl etwas besonderes?

 

 

Nachmittags fuhren wir dann nach Le Locle, wo am Nordhang der Stadt das wunderschöne Landschlösschen Chateau des Monts liegt. In den prächtigen Räumen (mit intarsierten Parkettböden und Tannentäfelung der Wände) werden einmalige Prunkstücke von vier passionierten und wohlhabenden Uhrenliebhabern bewahrt und ausgestellt – bemerkenswert die raffiniertesten und schönsten Neuenburger Großuhren.

Verwöhnt vom Wetter, zufrieden mit dem harmonischen Ablauf und gesättigt (vorübergehend) von den vielen Eindrücken während der vergangenen Tage machte sich die Gruppe wieder auf den Heimweg. Einige direkt, andere Unentwegte über Frankreich, wo sie am Sonntag noch einen bekannten Antikmarkt abgrasten ...   

  HH/GH